Freitag, 4. Juli 2014

BB vom 03.07.2014

Ort: Idsteiner Land
Uhrzeit: 23:40 bis 2:30 Uhr
Wetter: Klar
GG: fst. 5m8 (UMi)
 
Nachdem mir die vorangegangene Nacht durch erhebliche Bocklosigkeit (allenthalben) durch die Lappen gegangen ist, war ich doch sehr erfreut, dass Rainer für diese Nacht nochmal eine kleine Session in "Rainers own country" anstrebte.

Dabei war ich schon vorab ziemlich überzeugt, dass ich die wenigste Zeit dieses kurzen Abends mit Beobachten verbringen würde. Schon vor etwa 10 Wochen schlug ich bei einem Gebrauchtmarktschnäppchen in Form einer Martini EQ-Plattfor zu. Um den horrenden und gefährlichen Transport zu umgehen, einigte ich mich mit dem Verkäufer, dass wir uns in der Nähe Frankfurts auf seiner länger geplanten Fahrt in den Norden treffen um die Übergabe perfekt zu machen. Das war nun eben am vergangenen Sonntag. Das Teil ist ein Schlachtschiff! Es handelt sich um die große Version, die bis 20"er mit bis zu 90kg Gewicht ausgelegt ist (wurde aber mit 14 und 18" betrieben), der Vorbesitzer (?) hat sie dann auch noch in einem fröhlichen Panzergrau lackiert, was den Eindruck eines Schlachtschiffs nochmal unterstreicht, aber hey: Das ganze ist sehr sauber und hängt ja auch nicht daheim an der Wand ;)

Schon bevor ich losfuhr, schlug Christian übers Forum und Skype Alarm, dass aussergewöhnlich intensive NLC (Nachtleuchtende Wolken) im Westen und Norden zu sehen seien. Schon beim Beladen des Autos sah ich sie - WOW! Das ist so ein Himmelsphänomen was mir durch meinen doch eher südlichen Standort bisher völlig abging. Richtig hell, feinste Fillamente, man meinte ein Foto des Cirruskomplex an den dunklen Nachthimmel projiziert zu sehen! Ein paar Schnappschüsse kamen dabei rum, wobei lezterer schon am Platz um kurz vor Mitternacht gemacht wurde, als sich das Schauspiel bereits tief an den Horizont verzogen hatte.


Nun aber  weg von den irdischen Wolken und hin zum tieferen Himmel. Ich meinte die Funktionsweise einer EQ Plattform durchaus verstanden zu haben und auch um welche Art sich nun meine handelt. Trotzdem hat es am Ende doch zwei Stunden gedauert bis ich alle Problemchen und Hirnverknotungen gelöst hatte! Das fing schon damit an: Wie positioniere ich die Plattform am besten auf Polaris, im Endeffekt hab ich mich auf den Boden gelegt, die eine Seite des Unterteils abgsestellt und dann über die Mitte Richtung Himmel gepeilt, da muss aber noch was anderes her, mindestens den Kompass sollte ich mitnehmen, wobei es da ja auch wieder eine Diskrepanz gibt...

Die ersten Versuche mit dem 8"er auf der Plattform waren niederschmetternd, die Laufrichtung der Sterne änderte sich zwar aber von Nachführung keine Spur. Der Poti wurde weidlich bemüht, aber das resultierte nur in NOCH schneller laufenden Sternen... hää? Dreh ich auf wirds schneller, steht die Plattform doch falsch rum? Kann doch nicht sein... Okay, einmal rumgedreht und erneut versucht... Seltsam... Nicht besser aber anders, eine leichte Verlangsamung war festzustellen aber wieder lief er in die seltsamsten Richtungen. Erst Rainer hatte die zündende Idee: Stell doch mit dem Telrad einfach auf Polaris und bediene die Plattform mal manuell.. AHA! Da war nix mit zentriertem Polaris bei Bewegung - mein erstes Ausrichten war also doch korrekt gewesen. Doch immer noch lag der Drehpunkt definitiv nicht ganz auf dem Polarstern. Die Lösung war dann so einfach wie doof: Der Weg auf dem wir beobachteten war abschüssig, das Unterteil somit nicht in der Waage und eine Höhenverstellung der Füße gibt es (NOCH!) nicht. Trotzdem liefen die Sterne immer noch weg :( Sollte etwa... Tatsächlich, der Motor ist entweder falsch gepolt/montiert oder ich hab was grundsätzlliches falsch verstanden: Nur wenn ich ihn auf Südhalbkugel stelle läuft es korrekt :D Ich behalf mir einstweilen mit meiner Objektliste die ich unter den hinteren Fuß klemmte und siehe da: DIE ERDE STEHT STILL! :O

Herrlich, übrigens läuft sie dann wider Erwarten doch sehr leise auf der niedrigsten Drehzahl, nach einiger Zeit muss man natürlich kurz umschlagen, dazwischen liegen aber (nicht gemessene) 20-30min. Das Seherlebnis ist schon richtig klasse, nicht nur bleibt einem mehr Zeit für Objekte bei Hochvergrößerung, auch die Entspannung ist eine ganz andere was sich natürlich auf die Detailerkennbarkeit niederschlägt. Ich blieb die verbleibenden Minuten bei einer kleinen Handvoll Objekten bei denen die einzige Vergrößerung dieses Abends (255-fach) Sinn machte: Ringnebel, M13, NGC 6934 (GC in Delphin)... Rainer-sei-Dank darf ich meine Deepsky-Plakette aber behalten weil er mir noch eine interessante asymetrische Galaxie bei M101 und einen Quasar im Herkules zu Teil werden ließ ;)

2:30 Uhr siegte dann die Vernunft, in 3,5h geht der Wecker...

Fazit: Die Plattform wird mich wohl nun dauerhaft und jedes Mal begleiten, klar sind wieder ein paar Kilo mehr und recht  sperrig ist sie auch, aber der Gewinn ist hier klar gegeben. Auch bin ich beruhigt, dass sie meine Befürchtungen nicht bestätigt haben, dass die für eigentlich viel größere Teleskope ausgelegte Plattform entweder mit dem "leichten" 20 Kilo Achter nicht zu Rande kommt (sie bewegt sich aber mit JEDER Belastung zwischen 0-90kg) aber vor allem, dass ich nicht nah genug mit dem Stuhl herankomme um entspanntes Beobachten zu ermöglichen, auch das war aber kein Problem, sie ist zwar recht lang aber auch nicht übertrieben und von der Breite her nirgends viel breiter als auch nur der Drehteller vom 8" f/6.


Montag, 23. Juni 2014

BB vom 21.06.2014

Ort: Idsteiner Land
Uhrzeit: 23:30 bis 2:45 Uhr
Wetter: Klar, leicht siffig in Horizontnähe, außerordentliche Transparenz in höheren Gefilden
GG: fst. 6m1 (UMi)

Der Mittsommerneumond ist bei uns auf 50° zwar auch kein Brüller und vor allem ein kurzes Vergnügen, aber das ist kein Grund nicht rauszufahren, zumal in netter Gesellschaft. Mit Thomas hatte ich mich schon verabredet und Rainer lud uns auf seinen Platz ein, er sah eine brauchbare Dunkelheit zwischen Mitternacht und 2:17 Uhr - und genau so sollte es auch kommen.

Die Nacht war vor allem geprägt durch das weitere Beschnuppern von Thomas neuem 12" Dobson, kleiner Wermutstropfen war und ist der beschädigte Leuchtpunktsucher, der sich nicht gescheit justieren lässt, aber ich konnte doch so ein bissl was finden in dem ich den Fehler versuchte nach Augenmaß auszugleichen. Hier waren dann natürlich vor allem die hellen Vertreter der Nacht unser Ziel, ein sehr früher M31 zählte ebenso dazu wie die Nebel im Großraum Schwan, M57, M27, der Cirruskomplex und der Nordamerikanebel. An den letzten beiden konnte ich Thomas auch den immer wieder augenöffnenden Effekt von einem [OIII] Filter vorführen (Danke Rainer, hatte meinen ja daheim gelassen). Die Detailfülle in diesen Objekten war auch schon ein guter Anhaltspunkt für die Himmelsqualität, die TROTZ kürzester Nacht des Jahres erstaunlich war! H+x waren ebenso noch Teil des Pflichtprogramms und konnten schön als Okularvergleich in Sachen Randschärfe und Feld dienen, die ich Thomas vorführen wollte. Ein Blick auf M 101 und M 51 - ja noch da, aber toll ist anders, die sind nun einfach schon ein bisschen zu tief.



An der Kopflastigkeit muss noch irgendwas gemacht werden, den tiefstehenden Saturn bekamen wir nur mit einem Trick ins Okular, mein Stuhlsitz wurde kurzerhand als Dobson-Stütze umfumktioniert, klappte erstaunlich gut :D Der Spiegel ist wirklich top, noch gänzlich ohne Streuschutz erwartete ich eher flaue Bilder, dem war aber nicht der Fall, natürlich ist da noch Platz nach oben in Sachen Kontrast mit den geeigneten Maßnahmen, aber der Spiegel sorgt hier definitiv nicht für Probleme.

Eine Nacht mit Rainer birgt immer die Hoffnung auf ein oder zwei außergewöhnliche Objekte und auch da wurde ich natürlich nicht enttäuscht ;)
Man muss sich immer vor Augen halten: Sommersonnenwende!

Der 14m1 Quasar PKS 1424+240 ist mit z=0,6 und ca. 7-8 Mrd. Lichtjahren kein Objekt was man der Nacht ohne echte astronomische Dunkelheit zutrauen würde - aber bei etwas über 200-fach war es definitiv nicht das schwerste Objek, dass ich bisher durch Rainers Teleskop sah, dank der gewohnt guten Aufsuchkarte, dauerte es nur wenige Sekunden bis das Energiemonster aus der Vergangenheit zu sehen war.

Nach halb drei war es dann sowohl die Müdigkeit als auch die aufziehende Dämmerung die uns langsam vetrieb, die Nacht war so kurz dann doch nicht und selbst wenn wir nichts gesehen hätten, wäre der Plausch lohnend gewesen ;) Auf der Heimfahrt begleitete mich noch eine wunderschöne Mondsichel tief am Osthorizont.


Montag, 9. Juni 2014

Sonnenzeichnung vom 09.06.2014

07.06.2014
14:30 bis 15:00 Uhr
knallige Sonne - 32° C
Die Sonne hatte ich wirklich lange nicht mehr im Okular, bei 32° Aussentemperatur mag man sich ja nicht so viel bewegen, da erscheint der ruhige Platz am Okular doch sehr verlockend ;)



So richtig zufrieden bin ich mit der Abbildung im 114/900 wirklich nicht (vorher extra noch justiert), es könnte an der doch noch zu welligen Folie liegen... mal schauen was ich da mache, eventuell doch was größeres für den 8"er.

Trotzdem war auf der Sonne heute EINIGES los!

Die Fleckengruppen 2080 und 2085 (rechts im Bild) waren zusammen mit 2079 und 2082 links davon sehr auffällig und geizten in ruhigen Momenten nicht mit Details! Oberhalb der beiden letztgenannten gab es noch 2077 und 2084, ungleich kleiner und so gingen mir die durch die Lappen... Sei's drum:

Bleistift auf Papier... gescannt, ausgeschnitten voila:






Samstag, 7. Juni 2014

Mondzeichnung Plato - Maupertius - La Condamine

Datum: 07.06.2014
Uhrzeit: 22:15 bis 22:30
8" f/6 - 14mm ES - grauseliges Seeing

Heute Abend habe ich seit langer (!) Zeit mal wieder versucht "den Mond" zu zeichnen.

Ein paar Dinge die mir auffielen (eigentlich nur ein Sack voll Entschuldigungen, dass ich nicht mal in die RICHTUNG von Achims Zeichnungen komme ;))

  • Das Seeing war grottig, über 100-fach war schon fast sinnlos 
  • Ich hatte nur gute 15min bevor der Mond für den Dobson auf dem Balkon nicht mehr erreichbar war 
  • Es ist verflucht schwer sich ein Feld innerhalb des Gesichtsfelds auszusuchen und dann auch dort zu bleiben, da hat man es einfacher wenn man das komplette Feld zeichnet, was sich aber am Mond ob der Fülle an Details einfach verbietet


Spannend war die Identifizierung der einzelnen Strukturen! Meine Güte kenne ich mich schlecht auf dem Mond aus. Außer dem offensichtlichen Plato konnte ich noch die beiden Krater am Terminator als Maupertius und La Condamine benennen. Oberhalb von Plato finden sich noch die Montes Teneriffe und Mons Pico. Dazu gibts noch Plato A und B und dann verliessen sie mich auch erstmal... Da muss ich mir das nächste Mal echt den Rükl daneben legen!
 

Materialien:

Schwarzer Karton
Faber Castell Polychromos
Faber Castell weiß / Jumbogrip
Estomp





Donnerstag, 5. Juni 2014

ATM Bericht: Bino Mount

Das 20x80 Triplet habe ich jetzt schon seit gut 8 Monaten aber sehr oft habe ich es noch nicht im Einsatz gehabt. Das liegt vor allem natürlich an der mangelhaften Montagen auf meinem Fotostativ. Bis in moderate Höhen von ca. 35-40° ist das zwar noch praktikabel aber eben weit von perfekt entfernt, höhere Objekte gehen praktisch gar nicht ohne Rückenverrenkungen und das Stativ ist mit dem reinen Fernglasgewicht schon nah an seinen Grenzen, das gute Stück wiegt immerhin 2,5kg.

Binomounts habe ich in meinem beobachterischen Umfeld ja in Form von Michaels traunhafter Umsetzung immer wieder zum Ausprobieren und Anfassen. Ganz so perfekt werde ich es sicher nicht hinbringen, aber praxistauglich aus eigener Hand ist für mich persönlich aber auch befriedigend. Trotzdem habe ich mich in weiten Teilen auf seine Konstruktion und Hinweise orientiert. 

Stand Juni 2013: Die Konstruktion ist in der Betaphase um mir über die grundsätzlichen Dinge klar zu werden.Einige Teile werden nochmals ausgetauscht.

Das klassische Parallelogramm ist mein Vorbild, für die erste Version habe ich schlichte 79 Ct 18x40x2000 Latten benutzt, mir war von vorneherein klar, dass das nur als Prototyp dienen kann, viel zu weich. Trotzdem konnte ich damit schon einen funktionellen Test durchführen und sehen, dass das Prinzip klappt und alles satt im Gleichgewicht ist und auch in jeder Position stehen bleibt.

Die anderen Teile wurden mit M8 Schrauben, selbstsichernden Muttern und 18mm Multiplex hergestellt, zusammen mit dem Multiplexresten aus dem Baumarkt liegen die Kosten damit erstmal unter 20€. Als Fernglasaufnahme dient mir ein Fehlkauf aus dem letzten Jahr: Eine Fotoadaption für Losmandy/Vixen Montierungen. drei M6 Schrauben halten den Fernglasadapter mit einer zentralen großen Rändelschraube. 

Das Gegengewicht stammt von einer Astro3 reicht beim derzeit noch sehr langen Ausleger (Gesamtlänge von Ende zu Ende von 2m!) aus, wird aber durch einen noch kürzer zu bauenden nochmal ergänzt werden müssen.

Die Adaption an mein Dörr Pro 3XL Stativ geschah über die Adapterplatte meiner Barndoor mit Fotogewinde, da lag auch beim ersten Test gleich der erste Schwachpunkt, die winzigen Schräubchen und die geringe Auflageflächen sind für die schwere Konstruktion reichlich unterdimensioniert.  Allerdings hat sich auch schnell gezeigt: Das Stativ ist am Ende, und wöge die Konstruktion nur 1/10 - sie wäre immer noch zu schwach. Das nächstgrößere Fotostativ gibt es nicht unter 200€ was völlig indiskutabel ist, bin ich doch für meine Fotoanwendungen sehr zufrieden damit. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird im nächsten Schritt ein Vermessungsstativ unter die Montierung wandern.

Es bleibt also zunächst "Work in progress"...