Dienstag, 25. August 2015

BB vom 20./21.08.2015

Ort: Gargellen - Vergaldental/Schwefeltobel
Zeit: 21:00 - 22:15 sowie 22:00 - 23:00 Uhr
fst: Nicht festgestellt aber MÄCHTIG viel :D
Wetter: Donnerstags leichte Schleierbewölkung, Freitags vollständig klar

Da war sie nun also, meine langherbeigesehnte Rückkehr in die Alpen. Seit meinem 5. Lebensjahr war ich praktisch durchgehend zweimal im Jahr dort in den Ferien, aber vor mehr als zehn Jahren gab es dann einfach eine familiäre Zwangspause... :( Das ist nun vorbei! Ich bin und bleibe einfach verliebt, in die Alpen im Allgemeinen und in dieses Tal im Speziellen.

Natürlich war bei der Planung der Reise die Mondphase diesmal von eklatanter Wichtigkeit! Ergo wurde sie auf kurz nach den Augustneumond gelegt. Die kleine Ernüchterung war schon eine Woche vor Reiseantritt da: Die Wetterprognosen verhießen nichts Gutes und so sollte es auch kommen. Durch die mir mitunter unerträglichen Temperaturen der letzten Wochen (bin ein Frühlungs/Herbstmensch und über 30° halte ich auf Dauer für widernatürlich) war mir das aber alles andere als Unrecht, denn die Reise stand klar unter dem Stern des Wanderns und Naturgenießens und das geht selbstverständlich auch (wenn nicht sogar besser) bei Wolken und niedrigeren Temperaturen. Ergo blieb das Heritage im Kofferraum und das Fernglas die Tagbeobachtungen vorbehalten.

Weil es eben ein Wanderurlaub war, und die Gegend trotz fast durchgehendem Dauernebel wunderschön ist, möchte ich ein paar Eindrücke an den Anfang stellen - gleich vorweg, die letzten beiden Nächte waren dann tatsächlich Sterne zu sehen - in erdrückender Fülle ;)

Gandasee zwischen Schafberg (2100m) und Madrisa (2700m)

Blick ins Valzifenztal, der Weg führt zum Schlappiner Joch und damit in die Schweiz

Wasserfall bei Gortipol

Auf dem "berühmten Parkplatz" an der Bielerhöhe parkend wollte ich dem Heritage wenigstens kurz Höhenluft gönnen ;)

 
Unser Weg führte uns um den See und hinauf ins Ochsental in Richtung Wiesbadner Hütte, ein einmaliger Blick auf die dortigen Gletscher 

Blick ins Gauertal mit Sulzfluh und den Drei Türmen (in Wolken)

Nundenn, am Ende des vorletzten Tages zogen plötzlich die allgegenwärtigen Wolken ab! Einige Schleier zogen von Norden leider wieder heran bis es wirklich dunkel war aber das hielt mich jetzt nicht mehr. Mit dem Auto ging es in wenigen Minuten in den "Ortsteil" Vergalden. Im Sommer ist inzwischen recht wenig los hier, die meisten Hotels und auch Ferienwohnungen liegen verwaist, so parkte ich einfach beim letzten, Rucksack mit Okularen und Fernglas auf die Schultern, Kamera umhängen und dann das Heritage in die Hand... Ich stieg noch ein Stückchen höher ins Vergaldental und positionierte mich und die Kamera an einem Grashang.


Dämmerung an der Madrisa

Durch die doch einige Grad weiter südlich dauerte die Dämmerung angenehm kurz, gut - ist ja auch schon wieder Ende August ;) Was sich nun aus dem leicht verzirrten Himmel schälte raubte mir durchaus den Atem, die Milchstraße war schon während der Dämmerung präsenter und strukturierter als in den meisten Nächte daheim, später dann von einzigartiger Schönheit und Brillianz. Bevor ich mich viel mit weiteren Fotos aufhielt stelle ich das Heritage auf und begann einen näheren Blick auf die Qualität des Himmels zu werfen... Was soll ich schreiben ohne in überschwängliche Euphemismen zu verfallen? :P Der kleine 5"er ließ mannigfaltig den 8"er beim Heimspiel stehen! Allen voran bei Objekten die besonders von guter Transparenz leben, M31 nur knapp über der aufragenden Bergkette im Osten eine Wucht und von genialer Ausdehung! Im 32mm schon fast auf Fernglasniveau von der Vergrößerung und 14mm mit einfach zu sehenden StaubbänderN. Am nachhaltigsten haben mich wohl die Nebel im hochstehenden Schwan beeindruckt, bekanntermaßen sind sowohl Nordamerika als auch Cirruskomplex typische Filterobjekte... für den 1,25" OAZ besitze ich leider keine aber das war hier und heute auch nicht notwendig! Beide Objekte waren trotzdem problemlos und sogar klar detailliert und vor allem kontrastreich zu beobachten! Der Nordamerikanebel war selbst im 10x50 ein auffallendes Objekt. Ich begab mich noch zu einigen anderen Messiers wie 57/27/71.. auch hier eine Wucht für das kleine Gerät, wenngleich hier natürlich die kleinen mehr Vergrößerung gebraucht hätten als ich zu bieten hatte ;) Trotzdem... herrlich, ich war ernsthaft ergriffen von der Ruhe, der Schönheit und der Majestät dieses Himmels - schon während des Beobachtens ergriff mich leichte Wehmut.. warum erst heute? Und noch wichtiger: Kann ich nach dieser Erfahrung daheim noch befriedigt schauen? Nunja, zum Glück hatte ich kein größeres Gerät sonst wäre diese Frage KLAR mit Nein zu beantworten gewesen :o)

Nun zog leider recht zügig Gewölk von Norden auf, die Madriasspitze verhüllte sich und zeigte damit auch den mir vorher gar nicht bewussten Mond an!

Mond hinter der Madrisaspitze

Auch wenn die Chance nur kurz währte will ich mich nicht beschweren: Missionsziel 1 erfüllt - Alpenhimmel "angetestet" :D Der darauffolgende Abend sollte nochmal eine Schippe drauflegen was die Transparenz angeht. Problem bei dieser Art von Kombiurlaub: Während ich zu Hause durchaus kein Problem habe auch während der Arbeitswoche mal bis 2-3 Uhr draußen zu sein sieht das nach einem Wandertag in den Alpen schon anders aus, da WILL man eigentlich früh ins Bett, aber das verbat sich einfach nach dem klaren Sonnenuntergang. Zusätzlich erschwerte aber natürlich die 500km Heimfahrt am nächsten Tag eine wirklich lange Beobachtung! Nichtsdestotrotz wartete ich auf das Ende der Dämmerung (diesmal vom Chalet aus), dabei kam mir eine schöne Konstellation vor die Linse, der zunehmende Mond kratzte fast am Gipfel der dominierenden Madrisa...

 
Irgendwann gegen zehn trat ich auf den Balkon. Ein verrücktes Schauspiel, dass ich natürlich SO nicht von zu Hause kenne. Man tritt aus der Wohnung, schirmt mit dem Arm mal eben die Nachbarhäuser ab und BAMM eine Milchstraße wie sie sich bei uns auch nicht immer sehen lässt! Unadaptiert...

Ergo musste es nun rausgehen! Diesmal blieb das Teleskop leider leider leider zurück... die Zeit rann mit durch die Finger :S Trotzdem... Fernglas um den Hals, Kamerastativ geschultert und in die Nacht hinaus. Ich experimentiert kurz hinter den Ferienhäusern aber das Licht im Nacken störte mich durchaus noch. Wenngleich selbst der Blick zurück ins Tal über das kleine Dorf einen prachtvollen Sternenhimmel zeigte :)


Über einen schmalen Weg, den wir schon einige Male zu unseren Touren gelaufen waren kam ich nach kurzem Aufstieg in den sogenannten "Schwefeltobel" (im Winter eine beliebte Abfahrt), hier war lichtmässig zappeduster ausser ein paar vom Ort aufgehellten Baumspitzen. W O W !!!!

Die Milchstraße war nochmals präsenter und knalliger als tags zuvor! Insbesonder der sichtbare südliche Teil war einfach der Wahnsinn, mit bloßem Auge glaubte (?) man in der reichstrukturierten hellen Wolke einzelne Nebel auszumachen, südlich des Adlers immer heller werdend. Mit dem Fernglas hielt ich kurz gen UMa hier war M 101 plötzlich ein überaus leichtes Objekt und M81/82 die zwar durchaus auch im Taunus mit der Fernglas auszumachen sind winkten förmlich... trotz frischen 5° war ich nicht loszureissen, aber ein paar Erinnerungsfotos wollte ich diesmal doch machen, leider bin ich nach wie vor ein miserabler Fotograf was den Nachthimmel angeht, in so fern bin ich selbst enttäuscht wie wenig sie die wahre Qualität des Himmels transportieren aber im Ansatz sieht man schon was hier Sache war.

Die südliche Milchstraße
 
Cassiopeia und Umgebung

Was bleibt hier noch zu schreiben...zwiespältige Gefühle! Einerseits schade, dass der Astroteil des Urlaubs so klein war, andererseits: a.) war es ein Wanderurlaub mit der Familie, Astro nur die Kür und b.) ich bin jetzt bereits von heftigem Fernweh geplant wannimmer ich mir die Erinnerung an diese Nächte zurückrufe, um wieviel schlimmer wäre es nach einer richtigen ausgewachsenen Beobachtungssession am Ende mit noch mehr Öffnung gewesen?

Tatsache bleibt: Der Himmel lässt alles hinter sich, egal was man sich in Deutschland an dunklen Orten bisher zusammengerechnet und gemessen hat, weder Hunsrück noch Vogelsberg noch Schwarzwald und Konsorten (und leider leider schon gar nicht der Taunus) bieten das was hier geboten wird: Transparenz die zu einem Gutteil ganz einfach den vierstelligen Höhenmetern geschuldet ist und perfekte Abschirmung von Lichtglocken die in diesem Gebiet ohnehin nur spärlich vorhanden sind. Dazu doch noch ein bisserl näher an der Natur... wenn die Strapazen der Fahrt nicht wären... Aufhören zu denken! :D

Mittwoch, 15. Juli 2015

Was lange währt... New Horizons erreicht das Pluto System

9 Jahre Flug, Milliarden von Kilometern hat sie hinter sich gebracht...

Die NASA Sonde New Horizons war seit 2006 auf dem Weg zum letzten ... mmmh ich schreibe mal ganz frech "Planeten" unseres Sonnensystems, der noch nie von einer Sonde besucht wurde. Als ich auf der alten Seite den ersten Eintrag zu dieser Mission schrieb WAR Pluto sogar noch ein Planet ;)

Ich erinnere mich noch gut an den Start, den ich live auf NASA TV verfolgte, ebenso in den einschlägigen Astrozeitschriften... meine Güte..damals war ich gerade mal 26, frischgebackener Vater, erst seit zwo Jahren Teleskopbesitzer, es gab noch die Astronomie-Heute und überhaupt... die Ankunft schien mir in unendlich weiter Ferne. Über die Jahre hatte ich die Missionsseite immer in meiner Linkliste und zu "Meilensteinen" schaute ich auch mal wieder genauer hin, wie zum Beispiel als die Sonde Jupiter passierte, damals (2008) hatte ich sogar noch zur Feier des Tages eine Grafik zusammengefrickelt ;)


Und nun ist das fliegende Klavier also endlich angekommen, bzw vorbeigeflogen und bescherte uns schier unglaubliche Bilder! Die heutige Presskonferenz war damit eine tolle Erfahrung. Vor allem hat mich die fast kindliche ausgelassene Freude der Teammitglieder bei der Pressekonferenz beeindruckt und berührt :)

Zu den nackten Daten und Fakten wird in den nächsten Tagen und Wochen sicher tonnenweise Material auf uns hereinprasseln. Tatsache ist aber, dass der vermeintlich langweilige Brocken am Rande des Sonnensystems wesentlich spannender und komplexer ist als angenommen! Allein die Tatsache, dass bisher KEINE Einschlagkrater trotz fehlender (nennenswerter) Atmosphäre gesichtet wurden, darf als Sensation gewertet werden und auch das erste hochauflösende Bild seines Begleiters Charon wirft viele Fragen auf, am unterhaltsamsten fand ich dabei die Benennung der großen dunklen Formation als "Mordor" :D Die Form stimmt auffallend! 


Image Credit: NASA-JHUAPL-SwRI

Natürlich ebenso faszinierend, das große helle Areal auf Pluto selber, der durch seine Herzform bereits breite Aufmerksamkeit in den sozialen Medien gefunden hat ;) Auch eine schöner Zug: Zumindest vorläufig inoffiziell wurde das Gebiet "Tombaugh Regio" genannt, natürlich nach dem Pluto Entdecker Clyde Tombaugh.


Credit: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute

Auch wenn mir Planeten im Teleskop nicht den "Kick" geben, den ich bei der Deepsky Beobachtung genieße... vom wissenschaftlichen Standpunkt aus bin ich doch immer wieder Feuer und Flamme wenn es um die aktuelle Forschung geht - umso spannender werden wohl die nächsten Wochen und Monate werden.

Samstag, 11. Juli 2015

BB vom 10.07.2015

Ort: Silent Hill
Zeit: 22:00 Uhr - 3:00 Uhr
fst: 6m+
Wetter: klar

Wenn nicht heute wann dann.. Die ersten von der Mondphase wieder nutzbaren Nächte und dann auch noch mit sehr ansprechender Prognose und dazu nach der Hitzewelle wieder bennykonforme Temperaturen die mit 8° durchaus eine Jacke rechtfertigten ;)

Durch unseren frühen Start ließen wir den Abend mehr als gemütlich anbranden, die Sonne war bereits auf der Hinfahrt untergegangen aber die Farbspiele des Westhorizonts waren eine wahre Augenweide, abgerundet durch Venus und Jupiter die sich tief an den Horizont schmiegten und durch die Transparenz wunderbar bis durch die Baumwipfel zu beobachten waren.


Um es gleich vorwegzunehmen: Es blieb eine sehr entspannte Nacht, die durch erheblich Transparenz, vor allem bis ungefähr 1:30 geprägt war. Wir hatten überraschenden Besuch von zwei hochegangierten Hobbyisten gänzlich anderen Gepräges mit denen wir schnell im Gespräch waren und gegenseitiges Fachsimpeln und Staunen war garantiert - wirklich super hat mich sehr gefreut nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder ein paar "Zufallsgäste" unser Hobby zeigen zu können :) Entsprechend waren auch die Objekte durch die Bank weg "alte Bekannte" verschiedener Objektklassen (M13, 57, 31, 51, Cirruskomplex usw), die sich aber durch den schmackhaften Himmel auch sehr fein präsentierten. So hatten wir wohl alle wechselseitig sehr beeindruckende "Einblicke", vielen Dank nochmals dafür :)


Rainer versuchte sich zu fortgeschrittener Stunde noch einmal am Ursa Minor Dwarf, aber da war leider nichts zu holen, da fehlten doch noch einige Zehntel Magnituden um den nötigen Kontrast herzustellen. Durch den Kollegen aus der lokalen Gruppe animiert begab ich mich aber nochmal zu IC 10 in Cassiopeia, nach kurzem konzentrierten Schauen und kramen im Gedächtnis war die kleine, schwache und irreguläre Galaxie bei einer feinen Sternansammlung von drei gleichhellen Sternen ausgemacht.



Auf diese Art verging die Zeit natürlich wie im Fluge und bevor man sich versah (unsere Gäste waren inzwischen nach einigen Stunden wieder auf dem Heimweg) ploppte auf einmal ein grelles Licht über den Baumkronen im Osten auf, der Mond beendete unsere Deepsky Session :) einige Grad daneben erhoben sich bereits die sieben Schwestern über die Baumkronen und sofort bekomme ich einen Spekulatiusgeschmack in den Mund ;D

Summasummarum eine völlig "unproduktive" aber nicht minder schöne Nacht, für mich sehr entspannend - das einzig nervige blieb die Invasion der
Amphimallon solstitiale, anhängliche Biester in der gefühlten Größe eines Blackhawk Helikopters :D Allerdings scheinen sie wenig astronomisch motiviert zu sein, nach Ende der blauen Stunde fielen sie wohl wie tot vom Himmel...

 


Mittwoch, 17. Juni 2015

BB vom 16.06.2015

Ort: Silent Hill
Uhrzeit: 23:00 bis 2:20 Uhr
Wetter: klar
fst: 6m1 in UMi, zenitnah möglicherweise noch besser

Die Sommersonnenwende - Eine Zeit des Zwiespalts. Einerseits freut man sich über die ersten reinrassigen Sommernächte (wenngleich durchaus noch kühl!) aber die Nächte starten spät und enden schnell. Interessant wie genial die Bedingungen trotz dieser Widrigkeiten wurden! Ich lasse mich jetzt mal zu einer Theorie hinreissen (nachdem ich etwas im Archiv gekramt habe): Diese Zeit im Juni bescherte in den letzten Jahren eine auffällige Häufung von sehr transparenten Nächten, möglicherweise hat das etwas mit des Phänomens der Schafskälte zu tun, die kalten Luftmassen blasen vielleicht die Atmosphäre frei? Es ist auch keine reine Einbildung, so wurden die mitunter extremsten Werte an unseren Plätzen auch ausgerechnet Mitte Juni gemessen.


Trotzdem trafen Andreas, Ralf und ich uns um etwas Sternenlicht einzufangen. Nach dem Aufbau blieb noch mehr als genug Zeit für einen Plausch und Objektrecherche, denn es wird nicht nur spät dunkel sondern vor allem auch quälend langsam. Ich hatte mir für heute einmal mehr das Sternbild Ophiuchus vorgenommen, bekannt für die Unzahl an Kugelsternhaufen. 

Doch bevor ich mich in den Weiten der Haufen verlor, wollte ich ein oder zwei Galaxien im Schlangenträger angehen. Die erste NGC 6507 blieb leider trotz sicherer Identifizierung des Feldes und intensivem Beobachten mit dem kompletten Okularpark unsichtbar. Ergo schwenkte ich auf die andere Seite des Sternbilds und versuche mich an der im Hunteratlas gar mit einem Sternchen hervorgebenen NGC 6118 Auch war ich zügig an der richtigen Stelle aber es dauert schon einen Moment bis mir die Galaxie wirklich auffiel, da hatte ich mir etwas mehr erwartet, sie kam recht oberflächenschwach rüber.

Also weiter zu helleren Ufern ;) Ich ließ die Welteninseln hinter mir und schwenkte wieder zu Alpha Oph um von dort in Richtung NGC 6572 zu wandern, dem "Blue Raquetball Nebula". Wow, was für ein heller Kamerad. Schon mit 14mm war er im Feld klar von den beiden schwächeren Sternen mit denen er ein nahezu perfektes enges Dreieck bildet zu unterscheiden. Mit 8,8 und 6,7mm zeigte sich der PN als fast runder nur minimal elongierter heller Nebelfleck ohne Details und auch eine Ringform war nicht wahrnehmbar. Auch das eilends herbeigeholte 4,7mm brachte mich hier nicht weiter. Aber seinen Namen hat er sicher zu Recht, auch wenn ich in Sachen Farbe ja weitestgehend resistent bin: Der hier war definitiv nicht farblos! Interessant: Der PN ist in kosmischen Maßstäben noch sehr jung, erst ca. 2500 Jahre sind vergangen seit die Abstoßung der Gashülle einsetzte.

Andreas hatte zwischenzeitlich bereits mein nächstes Ziel bei sich im Okular: Den planetarischen Nebel NGC 6309"The Box". Huiii! Also ich sah leider im 12"er (und im 8er sowieso nicht) die Verdichtungen an den Enden, aber das Objekt zeigt sich als auffallend langezogenes Nebelchen, kein Oval und kein Kreis - das ist mal eine schöne Abwechslung für einen PN :) Sehr schön auch ein heller Stern der genau am Ende des Nebels liegt. Im 8"er vollziehe ich die Beobachtung nochmals nach und auch mit verschiedenen Vergrößerungen, aber Details stellten sich auch hier leider nicht ein. Ebenfalls bei Andreas gab es noch einen herrlich strukturierten Cirrsunebel auf die Augen und ich wiederhole mich: Der war noch weit vom Höchststand entfernt! Selbst ohne Filter war er bereit gut im Achter zu sehen, das geht auch nicht in jeder Nacht...

Der Himmel war inzwischen wirklich beeindruckend geworden! Das letzte Mal, dass wir so eine Transparenz hier hatten ist in der Tat schon ein Weilchen her, in UMi war der 6m1 Stern klar zu sehen, M13 ging freiäugig - wirklich lecker für eine "helle Juninacht"!



Ralf erwarb vor einiger Zeit das TS 20mm 100°, in diesem Brennweitenbereich bin ich ja ebenfalls völlig nackt derzeit (zumindest was "endgültige" Lösungen angeht), umso froher war ich dieses Okular mal in Ruhe begutachten und nutzen zu können. Als erstes fällt natürlich das immense Gewicht und die schiere Größe auf. Trotzdem hält sowohl der OAZ als auch der Dobson stand. Die Abbildung ist fantastisch, bis an den Rand kann man hier beobachten ohne wirklich störende Abbildungsfehler tolerieren zu müssen, das Feld ist mit viel gutem Willen noch zu "überblicken" wobei man sich natürlich bei dieser Größe immer nur auf einen Teil wirklich konzentrieren kann. Nun kommt leider ein großes Aber, das dieses Okular unkaufbar macht :( Ich kann beim besten Willen nicht bequem reingucken! Die mehr als üppige Augenmuschel lässt sich herausdrehen. Völlig eingefahren passiert etwas seltsames, der geschätzt 1cm breite (plane) Ring der Augenmuschel blendet mich irgendwie wenn ich die Nähe komme, dazu tauchen bei zu nahem Abstand sofort schwarze Schatten auf - ergo bleibt nur die Augenmuschel herauszudrehen. Dann hat man einen sehr angenehmen Abstand und der Einblick wird ruhiger. Leider komme ich dann mit meiner Nase in Konflikt, es ist mir völlig unmöglich GERADE (oder wenigstens etwas gerade) in das Okular zu schauen, die Nase muss unangenehm stark an das Okular gedrückt werden und trotzdem muss ich den Kopf noch merklich (!) neigen um das Feld zu sehen. Länger als 10s ist mir das nicht möglich ohne unangenehm zu werden, ergo fällt dieses Okular leider für mich flach - was ob der Abbildung wirklich schade ist! Menschen mit dünnerem Nasenrücken und/oder weiter auseinander stehenden Augen werden das Problem wahrscheinlich nicht haben.

Als das Okular wieder bei Ralf verstaut war, legte ich mich auf das mitgebrachte Feldbett und begann eine entspannte Surftour durch den Sommerhimmel. Genial! Zwar ist das 20x80 so schwer, dass man nicht wirklich minutenlang beobachten kann, aber mit Unterbrechnungen klappte es recht gut. Vor allem die Gasnebel der südlichen Milchstraße aber auch Nordamerika sowie M71 und 27 waren richtig genial!

Eine große Runde durch die Kugelsternhaufen von Ophiuchus schlug ich dann noch mit dem 8"er, es ist der blanke Wahnsinn wieiviel sich in diesem Areal tummelt, die letzte Tour dieser Größenordnung ist sicher schon ein paar Jährchen her, insgesamt kam ich auf 12 Stück (NGC 6426, NGC 6535, NGC 6517, NGC 6366, NGC 6539, NGC 6356 NGC, 6342, M9, M10, M12, M14, M107) und da wären noch einige mehr zu holen gewesen ;)

Ralf war bereits mit dem Abbau fertig, das mahnte mich bei allem Feuer einen Funken Vernunft zu bewahren und ebenfalls mit dem Abbau der Gerätschaften zu beginnen :( Immerhin... die Dämmerung hätte ohnehin irgendwann eingesetzt, aber die Nacht war wirklich mitreissend - gerade die Zeit auf dem Feldbett in der ich mit dem Himmel zu verschmelzen schien - einfach herrlich! Zu guter Letzt  stellten wir fest, dass bereits im Juni  die Vorboten des Herbstes leise an die östliche Tür klopfen, Pegasus bereits komplett über dem Horizont und so riskierte ich noch einen Blick auf M31 sowohl im 20x80 als auch im Dobson, gar nicht übel für den tiefen Stand - den sah ich im letzten Jahr schon höher in schlechterem Zustand :))

Gegen 3 Uhr fiel ich dann für 2,5 Stündchen ins Bett, platt aber immer noch von den schönen Eindrücken beglückt.

Samstag, 16. Mai 2015

BB vom 15.05.2015

Ort: Hochtaunus
Zeit: 22:50 bis 2:00 Uhr
Wetter: Klar mit selten durchziehenden Schleierwolken
fst. ca. 6m

Nach der letzten mehr als nur durchwachsenen Nacht sah mir der Himmel schon tags weitaus besser aus, ein kurzer Check meine Wetteronkel machte mir umso mehr Hoffnung, dass hier einiges vom Dienstag wieder gut gemacht werden konnte. Nun gings ans "Sammeln" der Mitbeobachter, sind doch drei schon auf anderen Treffen unterwegs! Bei Ralf rannte ich offene Türen ein und auch Benny2 war nach langer Abstinenz Feuer und Flamme endlich mal wieder zusammen zu beobachten! Außerdem habe ich noch kurzfristig Daniel eingeladen, der inzwischen schon drei oder vier Mal mit war und auch wenn er noch ohne Teleskop ist, doch mehr als nur latent interessiert ist - sonst hätte er nicht immer wieder darauf bestanden Bescheid zu bekommen wenn es mal wieder raus geht ;)

Tatsächlich war der Himmel zwar im Süden durch Frankfurt gewohnt aufgehellt, aber die Transaparenz war über weite Strecken wirklich gut, die 6m Grenze wurde definitiv erreicht. Das sah man auch und vor allem an (abseits des Südens) stehenden Objekten unterhalb von 30°. Ich war echt angetan von einem noch frühen Cirrus Komplex, der sich mit dem [OIII] und 30mm fantastisch strukturiert in Bennys 12"er zeigte. Wie schon vor einigen Jahren konnte Benny am Sturmvogel auffällige blaue Farbe wahrnehmen, ich beneide ja immer die Farbseher, ist mir leider nicht vergönnt ;) Apropos Filter... ich bemerkte ein unheilvolles Klappern bei meinem Baader, wie auch immer sich das gelockert hat, der Filter muss dringend nachgezogen werden... Auch NGC 7000 war schon schmackhaft und problemlos zu beobachten.

Ralf war während ich längere Zeit bei meinem geschätzten Namensvetter verbrachte mit Daniel bei einer ganzen Latte von sehenswerten "Standards" unterwegs, der dann auch schon die ersten Objekte selber aufsuchte und fand!

Saturn, der gerade den Skorpion schmückt peilten wir auch an, bei mir ist es schon ein Weilchen her, für Ralf war es gar die erste Saturnbeobachtung :O aber man muss realistisch sein: Sonderlich hoch steht er nicht und obwohl ich Bennys Orion nochmal nachjustiert habe, war nicht viel zu holen, das Seeing machte uns das bei 223x klar...

Lieber zurück in den Deepsky und mit 4565, Makarians Kette und M51 waren die Begeisterungsrufe dann auch wieder etwas lauter ;) Ein besonderes Schmuckstück hatte Benny noch in Form eines interessanten Kleinstteleskopes dabei! Ein winziger 60/300 (welcher Hersteller war es nochmal?), der aber in dieser sehr alten Serie noch eine japanische Vixenoptik verbaut hatte und mit einem selbstgebasteltem 1,25" Adapter sehr (!) ansehnliche Bilder lieferte, trotz f/5 mit wenig auffälligem Farbfehler, ein echtes Schätzchen.

Im Osten wurde der Himmel bereits wieder leicht bläulicher, die Temperaturen dümpelten im einstelligen Bereich, mein Jäckchen wurde mir etwas zu dünn und ich musste bereits Mütze und Handschuhe verteilen. Der allgemeinen Aufbruchsstimunng konnte ich wenig entgegensetzen, aber länger als eine 3/4h wäre es sicher nicht mehr richtig dunkel gewesen, mit einem guten Gewissen und schönen Eindrücken eines mehr als brauchbaren Himmels im Gepäck traten wir die Heimfahrt an.

Vielleicht noch ein letzter Ausblick... ich bin mit dem guten alten Nox zufriedener denn je, die Abbildung habe ich ja nun in den vergangenen anderthalb Jahren bei vielen vielen Gelegenheiten genießen und auch gegenüber den umstehenden (größeren) Optiken vergleichen können - öffnungsbedingte Einbußen sind selbstverständlich immer sichtbar, die Abbildung an sich lässt aber nach wie vor vermuten, dass hier kein Griff ins Klo vorliegt :D Trotzdem.. so langsam ist die Grenze meiner Demut erreicht und ich will endlich wieder mit meiner Hypatia in die Gänge kommen! Die ersten Schritte sind in der vergangenen Woche gegangen worden - in wenigen Wochen hoffe ich dann einen frisch beschichteten Spiegel in sein "neues" altes Heim ziehen lassen zu können. Eine gaaaanz kleiner Ausblick auf die kommenden Dinge: