Mittwoch, 17. Juni 2015

BB vom 16.06.2015

Ort: Silent Hill
Uhrzeit: 23:00 bis 2:20 Uhr
Wetter: klar
fst: 6m1 in UMi, zenitnah möglicherweise noch besser

Die Sommersonnenwende - Eine Zeit des Zwiespalts. Einerseits freut man sich über die ersten reinrassigen Sommernächte (wenngleich durchaus noch kühl!) aber die Nächte starten spät und enden schnell. Interessant wie genial die Bedingungen trotz dieser Widrigkeiten wurden! Ich lasse mich jetzt mal zu einer Theorie hinreissen (nachdem ich etwas im Archiv gekramt habe): Diese Zeit im Juni bescherte in den letzten Jahren eine auffällige Häufung von sehr transparenten Nächten, möglicherweise hat das etwas mit des Phänomens der Schafskälte zu tun, die kalten Luftmassen blasen vielleicht die Atmosphäre frei? Es ist auch keine reine Einbildung, so wurden die mitunter extremsten Werte an unseren Plätzen auch ausgerechnet Mitte Juni gemessen.


Trotzdem trafen Andreas, Ralf und ich uns um etwas Sternenlicht einzufangen. Nach dem Aufbau blieb noch mehr als genug Zeit für einen Plausch und Objektrecherche, denn es wird nicht nur spät dunkel sondern vor allem auch quälend langsam. Ich hatte mir für heute einmal mehr das Sternbild Ophiuchus vorgenommen, bekannt für die Unzahl an Kugelsternhaufen. 

Doch bevor ich mich in den Weiten der Haufen verlor, wollte ich ein oder zwei Galaxien im Schlangenträger angehen. Die erste NGC 6507 blieb leider trotz sicherer Identifizierung des Feldes und intensivem Beobachten mit dem kompletten Okularpark unsichtbar. Ergo schwenkte ich auf die andere Seite des Sternbilds und versuche mich an der im Hunteratlas gar mit einem Sternchen hervorgebenen NGC 6118 Auch war ich zügig an der richtigen Stelle aber es dauert schon einen Moment bis mir die Galaxie wirklich auffiel, da hatte ich mir etwas mehr erwartet, sie kam recht oberflächenschwach rüber.

Also weiter zu helleren Ufern ;) Ich ließ die Welteninseln hinter mir und schwenkte wieder zu Alpha Oph um von dort in Richtung NGC 6572 zu wandern, dem "Blue Raquetball Nebula". Wow, was für ein heller Kamerad. Schon mit 14mm war er im Feld klar von den beiden schwächeren Sternen mit denen er ein nahezu perfektes enges Dreieck bildet zu unterscheiden. Mit 8,8 und 6,7mm zeigte sich der PN als fast runder nur minimal elongierter heller Nebelfleck ohne Details und auch eine Ringform war nicht wahrnehmbar. Auch das eilends herbeigeholte 4,7mm brachte mich hier nicht weiter. Aber seinen Namen hat er sicher zu Recht, auch wenn ich in Sachen Farbe ja weitestgehend resistent bin: Der hier war definitiv nicht farblos! Interessant: Der PN ist in kosmischen Maßstäben noch sehr jung, erst ca. 2500 Jahre sind vergangen seit die Abstoßung der Gashülle einsetzte.

Andreas hatte zwischenzeitlich bereits mein nächstes Ziel bei sich im Okular: Den planetarischen Nebel NGC 6309"The Box". Huiii! Also ich sah leider im 12"er (und im 8er sowieso nicht) die Verdichtungen an den Enden, aber das Objekt zeigt sich als auffallend langezogenes Nebelchen, kein Oval und kein Kreis - das ist mal eine schöne Abwechslung für einen PN :) Sehr schön auch ein heller Stern der genau am Ende des Nebels liegt. Im 8"er vollziehe ich die Beobachtung nochmals nach und auch mit verschiedenen Vergrößerungen, aber Details stellten sich auch hier leider nicht ein. Ebenfalls bei Andreas gab es noch einen herrlich strukturierten Cirrsunebel auf die Augen und ich wiederhole mich: Der war noch weit vom Höchststand entfernt! Selbst ohne Filter war er bereit gut im Achter zu sehen, das geht auch nicht in jeder Nacht...

Der Himmel war inzwischen wirklich beeindruckend geworden! Das letzte Mal, dass wir so eine Transparenz hier hatten ist in der Tat schon ein Weilchen her, in UMi war der 6m1 Stern klar zu sehen, M13 ging freiäugig - wirklich lecker für eine "helle Juninacht"!



Ralf erwarb vor einiger Zeit das TS 20mm 100°, in diesem Brennweitenbereich bin ich ja ebenfalls völlig nackt derzeit (zumindest was "endgültige" Lösungen angeht), umso froher war ich dieses Okular mal in Ruhe begutachten und nutzen zu können. Als erstes fällt natürlich das immense Gewicht und die schiere Größe auf. Trotzdem hält sowohl der OAZ als auch der Dobson stand. Die Abbildung ist fantastisch, bis an den Rand kann man hier beobachten ohne wirklich störende Abbildungsfehler tolerieren zu müssen, das Feld ist mit viel gutem Willen noch zu "überblicken" wobei man sich natürlich bei dieser Größe immer nur auf einen Teil wirklich konzentrieren kann. Nun kommt leider ein großes Aber, das dieses Okular unkaufbar macht :( Ich kann beim besten Willen nicht bequem reingucken! Die mehr als üppige Augenmuschel lässt sich herausdrehen. Völlig eingefahren passiert etwas seltsames, der geschätzt 1cm breite (plane) Ring der Augenmuschel blendet mich irgendwie wenn ich die Nähe komme, dazu tauchen bei zu nahem Abstand sofort schwarze Schatten auf - ergo bleibt nur die Augenmuschel herauszudrehen. Dann hat man einen sehr angenehmen Abstand und der Einblick wird ruhiger. Leider komme ich dann mit meiner Nase in Konflikt, es ist mir völlig unmöglich GERADE (oder wenigstens etwas gerade) in das Okular zu schauen, die Nase muss unangenehm stark an das Okular gedrückt werden und trotzdem muss ich den Kopf noch merklich (!) neigen um das Feld zu sehen. Länger als 10s ist mir das nicht möglich ohne unangenehm zu werden, ergo fällt dieses Okular leider für mich flach - was ob der Abbildung wirklich schade ist! Menschen mit dünnerem Nasenrücken und/oder weiter auseinander stehenden Augen werden das Problem wahrscheinlich nicht haben.

Als das Okular wieder bei Ralf verstaut war, legte ich mich auf das mitgebrachte Feldbett und begann eine entspannte Surftour durch den Sommerhimmel. Genial! Zwar ist das 20x80 so schwer, dass man nicht wirklich minutenlang beobachten kann, aber mit Unterbrechnungen klappte es recht gut. Vor allem die Gasnebel der südlichen Milchstraße aber auch Nordamerika sowie M71 und 27 waren richtig genial!

Eine große Runde durch die Kugelsternhaufen von Ophiuchus schlug ich dann noch mit dem 8"er, es ist der blanke Wahnsinn wieiviel sich in diesem Areal tummelt, die letzte Tour dieser Größenordnung ist sicher schon ein paar Jährchen her, insgesamt kam ich auf 12 Stück (NGC 6426, NGC 6535, NGC 6517, NGC 6366, NGC 6539, NGC 6356 NGC, 6342, M9, M10, M12, M14, M107) und da wären noch einige mehr zu holen gewesen ;)

Ralf war bereits mit dem Abbau fertig, das mahnte mich bei allem Feuer einen Funken Vernunft zu bewahren und ebenfalls mit dem Abbau der Gerätschaften zu beginnen :( Immerhin... die Dämmerung hätte ohnehin irgendwann eingesetzt, aber die Nacht war wirklich mitreissend - gerade die Zeit auf dem Feldbett in der ich mit dem Himmel zu verschmelzen schien - einfach herrlich! Zu guter Letzt  stellten wir fest, dass bereits im Juni  die Vorboten des Herbstes leise an die östliche Tür klopfen, Pegasus bereits komplett über dem Horizont und so riskierte ich noch einen Blick auf M31 sowohl im 20x80 als auch im Dobson, gar nicht übel für den tiefen Stand - den sah ich im letzten Jahr schon höher in schlechterem Zustand :))

Gegen 3 Uhr fiel ich dann für 2,5 Stündchen ins Bett, platt aber immer noch von den schönen Eindrücken beglückt.

Samstag, 16. Mai 2015

BB vom 15.05.2015

Ort: Hochtaunus
Zeit: 22:50 bis 2:00 Uhr
Wetter: Klar mit selten durchziehenden Schleierwolken
fst. ca. 6m

Nach der letzten mehr als nur durchwachsenen Nacht sah mir der Himmel schon tags weitaus besser aus, ein kurzer Check meine Wetteronkel machte mir umso mehr Hoffnung, dass hier einiges vom Dienstag wieder gut gemacht werden konnte. Nun gings ans "Sammeln" der Mitbeobachter, sind doch drei schon auf anderen Treffen unterwegs! Bei Ralf rannte ich offene Türen ein und auch Benny2 war nach langer Abstinenz Feuer und Flamme endlich mal wieder zusammen zu beobachten! Außerdem habe ich noch kurzfristig Daniel eingeladen, der inzwischen schon drei oder vier Mal mit war und auch wenn er noch ohne Teleskop ist, doch mehr als nur latent interessiert ist - sonst hätte er nicht immer wieder darauf bestanden Bescheid zu bekommen wenn es mal wieder raus geht ;)

Tatsächlich war der Himmel zwar im Süden durch Frankfurt gewohnt aufgehellt, aber die Transaparenz war über weite Strecken wirklich gut, die 6m Grenze wurde definitiv erreicht. Das sah man auch und vor allem an (abseits des Südens) stehenden Objekten unterhalb von 30°. Ich war echt angetan von einem noch frühen Cirrus Komplex, der sich mit dem [OIII] und 30mm fantastisch strukturiert in Bennys 12"er zeigte. Wie schon vor einigen Jahren konnte Benny am Sturmvogel auffällige blaue Farbe wahrnehmen, ich beneide ja immer die Farbseher, ist mir leider nicht vergönnt ;) Apropos Filter... ich bemerkte ein unheilvolles Klappern bei meinem Baader, wie auch immer sich das gelockert hat, der Filter muss dringend nachgezogen werden... Auch NGC 7000 war schon schmackhaft und problemlos zu beobachten.

Ralf war während ich längere Zeit bei meinem geschätzten Namensvetter verbrachte mit Daniel bei einer ganzen Latte von sehenswerten "Standards" unterwegs, der dann auch schon die ersten Objekte selber aufsuchte und fand!

Saturn, der gerade den Skorpion schmückt peilten wir auch an, bei mir ist es schon ein Weilchen her, für Ralf war es gar die erste Saturnbeobachtung :O aber man muss realistisch sein: Sonderlich hoch steht er nicht und obwohl ich Bennys Orion nochmal nachjustiert habe, war nicht viel zu holen, das Seeing machte uns das bei 223x klar...

Lieber zurück in den Deepsky und mit 4565, Makarians Kette und M51 waren die Begeisterungsrufe dann auch wieder etwas lauter ;) Ein besonderes Schmuckstück hatte Benny noch in Form eines interessanten Kleinstteleskopes dabei! Ein winziger 60/300 (welcher Hersteller war es nochmal?), der aber in dieser sehr alten Serie noch eine japanische Vixenoptik verbaut hatte und mit einem selbstgebasteltem 1,25" Adapter sehr (!) ansehnliche Bilder lieferte, trotz f/5 mit wenig auffälligem Farbfehler, ein echtes Schätzchen.

Im Osten wurde der Himmel bereits wieder leicht bläulicher, die Temperaturen dümpelten im einstelligen Bereich, mein Jäckchen wurde mir etwas zu dünn und ich musste bereits Mütze und Handschuhe verteilen. Der allgemeinen Aufbruchsstimunng konnte ich wenig entgegensetzen, aber länger als eine 3/4h wäre es sicher nicht mehr richtig dunkel gewesen, mit einem guten Gewissen und schönen Eindrücken eines mehr als brauchbaren Himmels im Gepäck traten wir die Heimfahrt an.

Vielleicht noch ein letzter Ausblick... ich bin mit dem guten alten Nox zufriedener denn je, die Abbildung habe ich ja nun in den vergangenen anderthalb Jahren bei vielen vielen Gelegenheiten genießen und auch gegenüber den umstehenden (größeren) Optiken vergleichen können - öffnungsbedingte Einbußen sind selbstverständlich immer sichtbar, die Abbildung an sich lässt aber nach wie vor vermuten, dass hier kein Griff ins Klo vorliegt :D Trotzdem.. so langsam ist die Grenze meiner Demut erreicht und ich will endlich wieder mit meiner Hypatia in die Gänge kommen! Die ersten Schritte sind in der vergangenen Woche gegangen worden - in wenigen Wochen hoffe ich dann einen frisch beschichteten Spiegel in sein "neues" altes Heim ziehen lassen zu können. Eine gaaaanz kleiner Ausblick auf die kommenden Dinge:






Mittwoch, 13. Mai 2015

BB vom 12.05.2015

Ort: Silent Hill
Uhrzeit: 23:15 - 2:00 Uhr
Wetter: Durchwachsene, unterdurchschnittliche Transparenz, durchziehende Cirren und Wolken
fst: ~5m7, stellenweise auch schlechter

Eigentlich hätte ich schon am Tag ablesen können, dass die Nacht keine Wunder wird erwarten lassen. Ich ließ mich dann aber doch nach einem stickigen Tag unter weißem Himmel von der Blauwerdung gegen Abend hinreissen es zu glauben. Andererseits war es ohnehin "Pflicht" die Nacht auf die ein oder andere Art astronomisch zu nutzen, denn die Prognosen der kommenden Tagen hatten einmal mehr gedreht und gesagt: Wenn dann heute!

Glücklicherweise ließen sich Ralf und Michael animieren (wobei ersterer eher MICH animierte) und so trafen wir uns zu bereits fortgeschrittener Stunde auf unserem Hügelchen. Der Dunst reicht hoch, die Glocken von Frankfurt und Wiesbaden in der Ferne vereinigten sich sogar immer mal wieder zu einer einzigen, was sich später aber glücklicherweise wieder teilte und auf Transparenzbesserung schließen ließ. Trotzdem hieß es zunächst warten, nach dem Aufbau und der Justage zogen nochmal zehn Minuten echte Wolken durch, da sucht man sich noch kein Feld zum Beobachten aus...

Da ohnehin heute keine Bäume auszureißen waren, machte ich ich primär an die Aufgabe des Abends: Das Testen auf Herz und Nieren eines kleinen aber überaus feinen neuen Gimmicks aus den "AngelLabs"  - meine Kartenschablone hat nun ein "erwachsenes" Stadium erreicht aber ich will noch nicht zu viel verraten bevor das ganze dann als fertige Version vorliegt ;) Nur so viel: Tadellose Übereinstimmung mit Himmel und Berechnungen lag vor, das wird mir eine MENGE Spaß machen! Auch spannend war eine vermeintlich lapidare Neuauflage der Virgo Detailkarte: Ein Druck komplett in schwarz, also eine invertierte Version unser aller Kärtchen. Man ist den Druck auf weiß einfach gewöhnt, sei es weil in käuflichen Werken alles andere unökonomisch wäre oder bei Eigendrucken der Drucker geschont werden soll... Mmmh! Eventuell doch am falschen Ende gespart? Ich muss sagen, dass mir das beim Durchpflügen des Virgohaufens wirklich gefallen hat. Faktisch ändert sich natürlich nichts an der Karte aber ich finde es weitaus angenehmer, viel schneller bringt das Gehirn nun den Ausschnitt mit dem Okularfeld in Einklang, es ist ein einfach "natürlicheres Gefühl" für die Karte :) Denke da werden EINIGE nachgedruckt werden müssen (wenn auch nicht alle).

Bei meinen Schablonentests hielt ich mich ein Weilchen im noch eher tiefen Schwan auf, dabei kamen mir um Sadr die drei Häuflein M 29, NGC 6910 und Berkley 86 vor die Augen. Schnell wandte ich mich aber wieder Herzensangelegenheiten zu und verschwand im Virgohaufen. Der Start wie immer bei Messier 98/99 und dann runter zur Markarians Chain. Trotz  solala Himmel waren hier alle Mitglieder (ich liste aus Faulheit aber auch wegen ständiger Wiederholung nicht auf) zu sehen - allerdings war wegen der Himmelsaufhellung ein halbwegs ästhetisches Bild erst bei niedrigen APs zu erreichen, ich wanderte alöso mit 8.8mm bis M 88 mehrfach die Kette hin und zurück. Beim letzten Mal brach ich in die andere Richtung aus und gönnte M 87 und seinen Begleitern ihre 5min Ruhm, wobei hier gerade die schwachen Begleiter grenzwertig bis nicht zu sehen waren und das geht bei entsprechendem Himmel wirklich anders!

Ralf war ganz begeistert an einem Feld auf der anderen Seite des Virgohaufens zu Gange. Ein hochinteressantes Galaxienpärchen ist mir wirklich all die Jahre durch die Lappen gegangen weil ich immer am anderen Ende starte. NGC 4762 und NGC 4754 sind wunderbar in einem Feld, beide umrahmt bzw gedeckelt von einer schönen Sternkette. Während 4762 eine prachtvolle Edgeon ist, die eine sehr klare Kante hat, ist die diffusere 4754 eine eliptische Galaxie, eine tolle Paarung! Etwas "oberhalb", leicht ausserhalb des Gesichtsfelds liegt die weitaus schwächere NGC 4733. Sie ist aber natürlich trotzdem noch direkt sichtbar und erscheint bei 14mm kreisrund ABER unruhig in der Oberfläche am Rand, vor allem zum südlichen. In der Nachbereitung zeigten sich aber keinerlei Details die man hätte sehen können, allerdings tippe ich auf eine schwache Sternenkette die sich durch diesen Bereich zieht und wahrscheinlich für diese Wahrnehmung gesorgt haben wird.

Gegen zwei Uhr begannen wir mehr oder weniger gleichzeitig mit dem Abbau der Geräte. Eigentlich schade, denn erst ab 1 Uhr konnte man von wirklich nutzbaren Deepskybedingungen reden, aber wir alle mussten ohnehin schon mit maximal 3-4h Schlaf vor der Arbeit rechnen und so war es dann wohl doch vernünftiger.

Eine Nacht der man getrost attestieren darf, dass sie eher nicht langfristig in Erinnerung bleiben wird, aber bei Leibe keine vertane! Die Kürze mahnt: Erst in frühestens 2 Monaten werden wieder minimal längere und wahrhaft dunkle Beobachtungsnächte möglich sein, also gilt es die Entspannung auch bei suboptimalen Bedingungen mitzunehmen :)

Freitag, 1. Mai 2015

Artikel: Sonnenbeobachtung - Aber SICHER!

Ich habe es bereits an der ein oder anderen Stelle erwähnt: Das Beobachten unseres Zentralgestirns ist eine lohnende aber aber bei Mißachtung von Sicherheitsvorkehrungen durchaus gefährliche Angelegenheit.

(dieser Artikel ist im Aufbau, aber wegen des aktuellen Funds möchte ich das Foto und die Warnung bereits zeigen!)

Nach dem Kauf eines kleinen gebrauchten Teleskopes fielen auch wieder ein paar "Beipackokulare" auf, das eine gehörte nicht mal zum Set sondern diente nur als Abdeckung des OAZ... Hier bitte genau hinschauen! Das passiert mit hartem Kunststoff bei fokussiertem Sonnenkonakt mit kleinster Öffnung!

Ein weiteres Plädoyer für SICHERES Beobachten mit sicherer, unbeschädigter und gut befestigten Sonnenfilterfolie vor der Öffnung!

Samstag, 25. April 2015

BB vom 24.04.2015

Ort: Heimischer Balkon
Zeit: 21: 15 bis 22:45 Uhr
Wetter: leichte Zirren
Grenzgröße: Mond halt....

Back to the roots? So ähnlich, nachdem ich heute vor lauter Langeweile mein Lidl zerlegt und lackiert hatte kam die Lust auf nach langer Zeit mal wieder durch die altgediente Optik zu schauen.


Die Lackierung ist erstaunlich gut gelungen, benutzt habe ich (nach der Reinigung und Abbau/Abkleben aller essentiellen Teile) diese neue matten Sprühlacke von Edding mit denen ich schon gute Erfahrungen gemacht habe und die unheimlich schnell trocknen. Aber zu den Beobachtungen:

Als Okulare wählte ich ein 25mm Meade MA (vom ETX), ein 10mm "Super" (glaube das war Bestandteil des Skyluxpakets war beim Bresser Galaxia dabei) und mein 6,7mm Explore Scientific. Der elende Sucher war schnell justiert und schon stand die Venus im 25mm Okular. Ein springendes buntes Etwas, auf einer Seite blau auf der anderen rot :D Jaaa, so war das damals... Mit 10mm war bereits zu sehen, dass sich unser Schwesterplanet als Sichel zeigt, im 6,7mm (etwas über 100-fach) verstärkte sich das und der Farbfehler trat etwas in den Hintergrund. Das Seeing war eher leidlich und das Fokussieren so ganz anders als ich das gewohnt bin, die Ausschwingzeit der Montierung zwingt mehrfach in Tippelschritten an den Fokus heranzutrippeln.

Der Feind... äh Mond war zwischenzeitlich aus dem Schatten der Balkondecke gewandert, allerdings nach wie vor durch Geäst obstruiert... egal, ist ja hell genug. Der dadurch heruntergesetzte Kontrast war durchaus wahrzunehmen aber bei den harten Kontrasten, die der Mond naturgemäß bietet zu verschmerzen. Auch hier wieder der inzwischen so ungewohnt gewordene Farbsaum, man wird ja echt verwöhnt. das 10mm Super und das 6,7mm ES zeigten lustigerweise ein nahezu identisches Feld, das 82° eher noch einen Tacken mehr. Die Atmosphäre wirbelte munter drauflos aber in doch längeren ruhigen Moment waren erstaunlich feine Details in den Krater, ja sogar noch in Rillen und Zentralbergen auszumachen - ich revidiere meine zur Anfang der Nacht gefasste Meinung in Zukunft nicht mehr zu sagen: Das Lidl hat durchaus seine Objekte - doch hat es nach wie vor, natürlich im engeren Rahmen.

Ein gutes halbes Stündchen weiter und Jupiter schälte sich ebenfalls langsam in mein erreichbares Sichtfenster (sogar unobstruiert). Der erste Blick mit 25mm - ernüchternd: Farbspiele und drei Monde, mein Skylux leidet übrigens glücklicherweise nicht unter Taukappenastigmatismus, was hier schön zu sehen war. Aber schon bei 10mm war die geteilte Bauchbinde in ruhigen Augenblicken zu sehen. Als ich dann mit etwas Ruhe und Mühe bei 6,7mm den exakten Schärfepunkt gefunden hatte und dem Riesen (bzw dem Seeing) auch die nötige Zeit gegeben hatte waren doch auch hier erstaunlich nette Beobachtungen möglich, neben den präsenten Hauptbändern blitzen auch immer wieder hellere Streifen auf und ebenso die dunklere Polkappe. Das Abtauchen des Planeten hinter das Bäumchen und das zunehmende Mondhalo brachten mich dann aber doch zum Eintüten der Okulare.

Einen überraschend netten Abschluss des Abends brachte ein Kurzbesuch von Jan, der sich in die Nähe verirrt hatte! Ein kleiner Plausch auf dem benachbarten Feld wurde sogar noch mit einem interessanten Boliden gekrönt, der eine kurze mittelhelle Spur zog und in einem hellen, ortsfesten Blitz verging!

Fazit: Nostalgisch wars irgendwie... immerhin habe ich mal GENAU so angefangen - allein auf dem Balkon mit einem 70mm Fernröhrchen :) Ganz sicher wünsche ich mir die Zeit, in Anbetracht der Horizonte die sich im Laufe der Jahre eröffnet und geweitet haben, nicht zurück, aber da das Gerät ohnehin meist auf dem Balkon steht werde ich vielleicht in Zukunft mal wieder öfter die lichtverseuchte Zeit des Monats mit Stippvisiten des Trabanten verbringen ;)